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KW 42  15.10.2018  19:13
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Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) –
nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr

Schreiben des Innenministeriums vom 31. Oktober 2012 – IV 334

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein schweres Unglück stellt für Überlebende, Angehörige, Hinterbliebene, Zeugen oder Vermissende eine große psychische Belastung dar. Auch ehrenamtliche und hauptbe-rufliche Helfer der Feuerwehr, im Rettungsdienst sowie im Zivil- und Katastrophenschutz werden oft physisch und psychisch durch Einsatzsituationen besonders belastet.

Es ist daher notwendig, von einem Unglück Betroffene sowie ehrenamtliche und haupt-berufliche Retter nach schrecklichen Ereignissen psychosozial zu betreuen. Die Belastungen müssen möglichst unmittelbar nach einem schweren Unglück oder einer Katastrophe abgebaut und die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, ihren Stress individuell zu bewältigen. Die psychologische und seelsorgerische Betreuung vor und nach einem Einsatz ist praktische Gesundheitsvorsorge.

Bereits im Jahre 2010 hat das Land Schleswig-Holstein den vorliegenden Qualitätsstandards und Leitlinien des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zugestimmt und begonnen, diese ab dem Jahre 2011 auf Landesebene umzusetzen.

 


Sicherstellung eines flächendeckenden Netzes psychosozialer Akuthilfe (PSNV-B)

Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung übernehmen die Kreise und kreisfreien Städte wesentliche Aufgaben der Daseinsvorsorge. Diese Grundversorgung der Bevölkerung umfasst auch die Psychosoziale Akuthilfe (PSNV-B) als Teil der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Die Durchführung Psychosozialer Akuthilfe (PSNV-B) liegt damit in der Zuständigkeit der Kreise und kreisfreien Städte.

Daraus erwächst allerdings keine Verpflichtung zur Institutionalisierung, da es sich bei der Psychosozialen Akuthilfe (PSNV-B) nicht um eine gesetzlich definierte Aufgabe der Daseinsvorsorge handelt. Es besteht aber die Möglichkeit, diese Aufgabe als freiwillige Leistung zu etablieren.

 


Sicherstellung von Psychosozialer Prävention für Einsatzkräfte (PSNV-E)

Die Psychosoziale Prävention im Einsatzalltag ist grundlegender Bestandteil der Fürsorgepflicht der Arbeitgeber gegenüber den eigenen haupt- und ehrenamtlichen Helfern.
Sie umfasst die Bereiche Einsatzvorbereitung, Einsatzbegleitung, und Einsatznachsorge und ist über generelle Maßnahmen in den Einsatzorganisationen zu implementieren.

 


Organisations- und Einsatzstrukturen / Aus- und Fortbildung

Die Organisations- und Einsatzstrukturen sowie die Aus- und Fortbildung innerhalb der PSNV gelten sowohl für die Psychosoziale Akuthilfe (PSNV-B) als auch für die Psychosoziale Prävention für Einsatzkräfte (PSNV-E) gleichermaßen gemäß den nachstehend aufgeführt Vorgaben.


Organisationsstrukturen

Dies beinhaltet strukturell die Einrichtung und Tätigkeit einer PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination (Beauftragung des Landesfeuerwehrverbandes durch das Innenministerium).
Zur Umsetzung der Qualitätsstandards und Leitlinien in der Fläche sind folgende Arbeitsgremien eingerichtet worden:


PSNV-Landeskonferenz

Mitglieder: Ministerien des Landes, Kommunale Landesverbände, Havariekommando (BMVBS), Feuerwehr, THW und Hilfsorganisationen, Bundes- und Landespolizei, Bundeswehr, Kirchen sowie Kassenärztliche Vereinigung und Psychotherapeutenkammer. Zuvor genannte Mitglieder konferieren themenabhängig zusätzlich in Teilkonferenzen.


PSNV-Regionalkonferenzen

Sicherstellung eines flächendeckenden Netzes Psychosozialer Akuthilfe (PSNV-B) und Psychosoziale Prävention für Einsatzkräfte (PSNV-E) in den Kreisen oder kreisfreien Städte. Einbindung / Anpassung der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) in die bestehenden Alarmierungsstrukturen.
Mitglieder jeweils aus dem Bereich einer Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle:
- PSNV-Verantwortliche/PSNV-Ansprechpartner der Kreise und kreisfreien Städte
- PSNV-Führungskräfte der Kreise und kreisfreien Städte
- Leiter der regionalen Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle
Bei Bedarf unter Einbeziehung der jeweiligen PSNV-Verantwortlichen / PSNV-Ansprechpartner auf Landesebene der verschiedenen Organisationseinheiten.


PSNV-Kreis- und Stadtkonferenzen

Sicherstellung eines flächendeckenden Netzes Psychosozialer Akuthilfe (PSNV-B) und Psychosoziale Prävention für Einsatzkräfte (PSNV-E) in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt.
Mitglieder jeweils aus dem Bereich eines Kreises oder einer kreisfreien Stadt:
- PSNV-Verantwortliche / PSNV-Ansprechpartner
- PSNV-Führungskräfte
- Leitende/r Mitarbeiter/in des Fachdienstes Sicherheit u. Ordnung
Bei Bedarf unter Einbeziehung der jeweiligen PSNV-Verantwortlichen / PSNV-Ansprechpartner auf Landesebene der verschiedenen Organisationseinheiten.

Die zuvor genannten PSNV-Konferenzen werden durch die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination einberufen und organisiert.


PSNV-Arbeitsgemeinschaften

Die interdisziplinäre und organisationsübergreifende Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den PSNV-Anbietern und deren operativen PSNV-Kräften und Vertretern der Behörden und Organisationen der Gefahrenabwehr geschieht im Besonderen auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte im Rahmen von durch die Vorgenannten eigenständig organisierten PSNV-Arbeitsgemeinschaften / PSNV-Kooperationen als Forum zur Abstimmung konkreter Fragestellungen zur Sicherstellung der Psychosozialen Akuthilfe (PSNV-B) sowie der Psychosozialen Prävention für Einsatzkräfte (PSNV-E).

Aufgrund der konkreten inhaltlichen Ausrichtung der
PSNV-Arbeitsgemeinschaft / PSNV-Kooperation müssen insbesondere alle im Feld der Psychosozialen Akuthilfen (PSNV-B) sowie die der Psychosozialen Prävention für Einsatzkräfte (PSNV-E) operativen PSNV-Kräfte beteiligt werden. Weiterhin muss der jeweilige Fachdienst Gesundheit sowie der Schulpsychologische Dienst eines Kreises / einer kreisfreien Stadt inhaltlich eingebunden werden.
Im Vordergrund steht u.a. die Festlegung der operativ-taktischen Standards.
Die jeweilige PSNV-Arbeitsgemeinschaft / PSNV-Kooperation gibt sich eine Geschäftsordnung, in der die Verantwortlichkeiten, die Zusammensetzung, die Arbeitsaufteilung, die Finanzierung usw. festgelegt werden. Diese ist dem jeweiligen Kreis / der jeweiligen kreisfreien Stadt zur Prüfung und Genehmigung vorzulegen. Gleiches gilt für Änderungen und/oder Ergänzungen.

Es ist die Funktion eines PSNV-Koordinators / PSNV-Unterstützers einschließlich Stellvertretung (mit BOS-Berechtigung) einzurichten, der  als Ansprechpartner für die jeweilige Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle für die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination operativ-taktisch agiert. Hierfür werden die Alarmierungswege und Vorgaben in der jeweiligen PSNV-Regionalkonferenz festgeschrieben.


Einsatzstrukturen

Die PSNV ist in die bestehenden Führungs- und Organisationsstrukturen der Gefahrenabwehr einzubinden.

  • Bei der Einbindung der PSNV in die bereits bestehenden Strukturen der Gefahrenabwehr ist das gesamte Führungssystem zu berücksichtigen.
  • Die PSNV bildet einen eigenen Einsatzabschnitt.
  • Für komplexe Gefahren- und Schadenslagen sind PSNV-Führungskräfte (PSNV-Führungsassistent, PSNV-Fachberater, PSNV-Leiter) vorzubereiten, bereitzustellen und einzusetzen.
  • Die PSNV-Führungskräfte werden durch die Kreise und kreisfreien Städte ernannt.

Die Kennzeichnung im Bereich der PSNV ist (analog Erlass „Kennzeichnung Führungskräfte“) wie folgt umzusetzen:

  • Überwurfweste LILA für operative PSNV-Kräfte (getragen über Einsatzschutzkleidung) mit Rückenschild. Zulässiger Aufdruck auf Rückenschild:
      • Einsatznachsorge
      • Feuerwehrseelsorge
      • Notfallseelsorge
      • Krisenintervention
      • PSU
  • Überwurfweste LILA für PSNV-Führungskräfte / Führungsassistent (getragen über Einsatzschutzkleidung) mit Rückenschild. Zulässiger Aufdruck auf Rückenschild:
      • PSNV-FüAss
  • Überwurfweste GRÜN für PSNV-Führungskräfte / Fachberater im Stab (getragen über Einsatzschutzkleidung) mit Rückenschild. Zulässiger Aufdruck auf Rückenschild:
      • PSNV-FB
  • Überwurfweste WEISS für PSNV-Führungskräfte / Abschnittsleiter (getragen über Einsatzschutzkleidung) mit Rückenschild. Zulässiger Aufdruck auf Rückenschild:
      • PSNV-L (Kreis oder kreisfreie Stadt)
      • PSNV-SH-L (Land Schleswig-Holstein)

Die jeweilige Bezeichnung muss die entsprechende Qualifikation / Beauftragung und Funktion darstellen.

Weitere Embleme, Logos, Untertitel usw. auf den Überwurfwesten oder Rückenschildern sind nicht zulässig.

Neben der Kennzeichnung durch Überwurfweste und Rückenschild ist im Einsatzfall die durch die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination ausgegebene PSNV-Card als Zugangsberechtigung zum Einsatzort sichtbar mitzuführen. Die Beantragung der PSNV-Card geht durch die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination mit einem Qualitätssicherungsverfahren einher.

BOS-Berechtigungen wie z.B. Funkmeldeempfänger, Funkgeräte, Sonderrechte etc. sind nicht auf die Nicht-BOS-Organisationen innerhalb der PSNV zu erweitern bzw. zu übertragen. Sonder- oder Ausnahmeregelungen innerhalb der PSNV sind nicht vorgesehen. Ggf. bereits erteilte Sonder- und/oder Ausnahmeregelungen sind zurückzunehmen.

PSNV-Kräfte können maximal einmal im Bereich PSNV-B und einmal im Bereich PSNV-E durch PSNV-Anbieter verpflichtet werden. Doppelmitgliedschaften o.ä. sind ausgeschlossen. Im Einsatzfall ist grundsätzlich nur eine von beiden (PSNV-B oder PSNV-E) Tätigkeiten möglich.

Die PSNV-Anbieter / PSNV-Kräfte haften für ihr Handeln im Rahmen der jeweiligen Organisationshaftung der sie entsendenden Organisation. Die PSNV-Kräfte müssen über die sie entsendende Organisation gegen im Einsatz ggf. erlittene persönliche psychische und physische Schäden versichert sein. Ein gültiger Versicherungsschutz muss nachgewiesen werden.

Die Kreise und kreisfreien Städte können bei Bedarf (z.B. bei besonders schwierigen bzw. belastenden Einsatzsituationen, Großschadenslagen, Katastrophen) die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination mit den speziell zugeordneten PSNV-Einsatzgruppen über das gemeinsame Lage- und Führungszentrum des Landes Schleswig-Holstein (GFLZ) anfordern und nutzen.

Die durch das Land Schleswig-Holstein anerkannten Qualitätsstandards und Leitlinien in der PSNV sind umzusetzen. Abweichungen und Ausnahmen sind bei der PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination zu beantragen. Diese kann bei Bedarf bzw. Widerruf die PSNV-Landeskonferenz anrufen.

Die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination ist als Schnittstelle darauf ausgelegt, eine behörden- und organisationsübergreifende Zusammenarbeit, Zusammenführung und Abstimmung aller vorhandenen PSNV-Aktivitäten im Rahmen der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention zu gewährleisten. Sie koordiniert unter anderem die PSNV bei landesweiten Lagen und berät bei besonders schwierigen bzw. belastenden Einsatzsituationen, Großschadenslagen und Katastrophen Personen mit PSNV-Führungsaufgaben.


Aus- und Fortbildung

Die PSNV-Anbieter sorgen eigenständig für eine hohe Qualität bei Aus- und Fortbildungen innerhalb der PSNV. Hierbei sind die Vorgaben und Mindeststandards der jeweiligen Bundesverbände und Bundesorganisationen als Selbstverpflichtung anzunehmen. Diese Vorgaben und Mindeststandards werden im Rahmen der Qualitätssicherung durch die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination anerkannt. Weitere freie externe Aus- und Fortbildungsgänge innerhalb der PSNV werden im Einzelnen nach Vorlage der Ausschreibung und der jeweiligen Curricula geprüft.

Die Aus- und Fortbildungen von PSNV-Führungskräften sowie die der PSNV-Koordinatoren / PSNV-Unterstützer findet auf Landesebene an der Landesfeuerwehrschule Schleswig-Holstein statt. Die Voraussetzungen für die Teilnahme und Zulassung an den PSNV-Führungsausbildungen sind, wie in den Ausschreibungen angegeben, einzuhalten bzw. zu erfüllen und wesentlicher Teil der Qualitätssicherung.


Für die Umsetzung aller Belange der PSNV sowie der Qualitätsstandards und Leitlinien ist die PSNV-Landeszentralstelle / PSNV-Landeskoordination zuständig. Alle Behörden, Einrichtungen und Organisationen werden durch diese bezüglich PSNV beraten und unterstützt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Hans-Christian Willert

 


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